When in Linz: Linzer Torte nach Jindrak

Linzertorte nach Jindrak | milchmädchen.

… eat Linzer Torte!

Eigentlich muss man das Rezept im Original lesen – mit Einheiten wie „dag“ (= Dekagramm) und Zutaten wie Staubzucker und Ribiselmarmelade. Und bevor einer fragt: Jep, die nutzt man wirklich. Erst neulich habe ich am (= auf dem) Markt bei einer herzigen älteren Dame „zehn Deka“ Walnüsse gekauft – fertig geknackt und geputzt. Johannisbeeren sucht man hier bekanntermaßen ebenso vergeblich wie ein „Päckchen Puderzucker“.

Und trotzdem: Als der Kerl und ich im Sommer in Linz bei Jindrak saßen und andächtig unsere Linzer aßen, klang alles anders. Für jemanden, der sonst den kantigen Vorarlberger Mix aus Schwyzerdütsch und Schwäbisch im Ohr hat, klingt der Linzer Einschlag fast nach Wien. Und Wien – das ist Schnösel-City, KuK-Land – mit anderen Worten: ganz. weit. weg!

Zum Glück bekommt man diese wirklich ganz hervorragende Linzer auch ganz ohne dialektales Chi-chi – Familie Jindrak war nämlich so fein, ihr Rezept samt Video zu veröffentlichen. Merci ge Linz!

Linzer Torte nach Jindrak

Gericht Kuchen & Konsorten
Vorbereitungszeit 30 Minuten
Zubereitungszeit 45 Minuten
Kühlzeit 1 Stunde
Arbeitszeit 1 Stunde 15 Minuten
Portionen 1 Torte (24 cm)

ZUTATEN

TEIG

  • 130 g Haselnüsse
  • 200 g Butter weich
  • 200 g Puderzucker
  • 2 Eier
  • 1 Prise Salz original: ohne
  • 330 g Weizenmehl T 550 bzw. T 700
  • 1 TL Zimt gemahlen
  • 1 Msp Nelken gemahlen
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 1 g Backpulver original: 10 g

FÜLLUNG

  • 225 g Johannisbeermarmelade original: 300 g

AUSSERDEM

  • gehobelte Mandeln
  • Ei zum Bestreichen

SO GEHT'S

  1. Haselnüsse rösten, etwas abkühlen lassen und fein mahlen.
  2. Butter, gesiebten Puderzucker und einer Prise Salz mit den Besen des Handrührgeräts cremig aufschlagen. Nacheinander die Eier unterschlagen. Gemahlene Nüsse Mehl, Gewürze und Backpulver unterziehen. Teig mindestens eine Stunde kühl stellen, weil er sonst zu weich ist für die Weiterverarbeitung.
  3. Ofen auf 190°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
  4. Dreiviertel des Teiges auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche ca. 1 – 1,5cm dick ausrollen und mit einem Tortenring (Durchmesser 24 cm) den Boden ausstechen. Teigreste und übrigen Teig wieder kühl stellen. Boden mit Marmelade bestreichen. Aus dem übrigen Teig so gut es geht runde Teigrollen formen und gitterförmig auf den Boden legen (s. Video). Tortenring wieder darüberstülpen und aus der letzten Rolle inkl. Etwaig abgeschnittenen Teigresten den Rand formen.

  5. Teiggitter und Rand mit etwas verschlagenem Ei bepinseln und den Rand mit Mandelblättchen bestreuen.
  6. Im Ofen 40 – 45 Minuten backen.

NOTIZEN

nach Konditorei Jindrak

Linz | milchmächen.Dom zu Linz | milchmädchen.

PS: Ganz hervorragend passt dieser Kuchen mit seinen Gewürzen freilich auch in diese tief-herbstliche Voradventsszeit. Ebenso übrigens wie diese Kollegen:

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4 Kommentare

  1. Die einzige konstanten in unserer (ansonsten sehr vernachlässigten) Weihnachtsbäckerei: Stollen für den Vater nach Hefe und Mehr und Linzer Torte für die Mutter nach anonymeköche (mehr Nüsse, weniger Mehl und Ei). Vielleicht muss ich dann dieses Jahr den Vergleich wagen 😉
    Gruß, Lotte

    1. Liebe Namensvetterin –
      gut, die Linzer nach Claudio kenne ich natürlich nicht… vielleicht muss ich unseren Horizont da auch erweitern? Ein Stollenpost unter genau diesen Vorzeichen allerdings – Konstanten suchen und finden – wartet schon in der Pipeline und geht spätestens nächste Woche online. Spoiler: Ein Rezept nach Steffi/Hefe und mehr spielt auch eine Rolle…😇
      Herzlich: Charlotte

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