Regel(ge)recht: Kartoffel-Toasties mit zweierlei Anstellgut

English Muffins mit zweierlei Sauerteig und Kartoffeln | milchmädchen.

Regel kennen, Regel brechen? Oh ja – am liebsten meine eigenen! Denn entgegen anderslautender Behauptungen pflege ich inzwischen doch zwei Anstellgüter. Aus einer Laune heraus erzog ich das alteingesessenen Roggen-ASG in einem zweiten Glas auf Weizen um – und bin dabei geblieben. Just because (und weil die Weizenbasis wesentlich milder schmeckt, wovon manches Gebäck durchaus profitiert).

Allerdings bedeutet das auch, das zwei Teige bespaßt werden wollen. Und bekanntlich eignen sich English Muffins dafür hervorragend. Die nach Chef Hansen gleich doppelt, weil von vorneherein mit einer großen Menge Sauerteig hantiert wird. Ich habe das Ganze nur noch an meine Vorlieben angepasst (vulgo: mit Option auf Übernachtgare & Veganisierung) und backe die Dinger seither rauf und runter. Praktischerweise eignen sie sich nämlich sowohl für ein leidlich schnelles Abendbrot, als auch für bequemes Vor-Frühstücks-Finish. Ach ja, und sie enthalten Kartoffel. Kartoffel in Broten und Brötchen und Bagels sind großartig – ohne Ausnahme!

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Die Kekse meiner Schwiegermutter, oder Espresso-Cookies mit weißer Schokolade & weitere Weisheiten

Panettone | milchmädchen.

„Und was arbeitest du so?“

Das Känguru starrt einen Moment ins Nichts.

„Ich denke mir Titel für Arthouse-Filme aus“, sagt es schließlich. „Diese werden dann von der Marktforschungsabteilung unserer Firma einem repräsentativen Querschnitt an Kinogängern vorgelegt, und zu den beliebtesten Titeln suchen wir uns Autoren, die dazu Drehbücher schreiben.“

„Das stelle ich mir gar nicht so einfach vor“, sagt das Mädchen. „Arthouse-Filme sind doch eher anspruchsvoll.“

„Ein weitverbreiteter Irrtum“, sagt das Känguru. „Arthouse-Filme und ihre Titel müssen nicht anspruchsvoll sein. Sie müssen nur anspruchsvoll wirken. Was zum Beispiel so gut wie immer funktioniert, ist, wenn man sich irgendwas Banales nimmt, etwas, das jeder kennt, und das mit einer mehr oder weniger exotischen Weltregion verbindet. […] Zum Beispiel: ‘Wäsche aufhängen in Eritrea‘. […] Gut funktioniert auch, irgendwas Banales mit einem Geschlecht zu verbinden.“, sagt das Känguru. „Ich erinnere nur an den großen Erfolg von ‘Männer, die ABBA-Songs pfeifen’.“

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Offenbarung

Marc-Uwe und sein Beuteltier begleiteten akustisch uns auf der langen Fahrt gen Norden, die wir vergangenen Sommer – against all odds – antreten konnten, und von der ich längst hätte schreiben wollen. Aber wissen Sie – das Leben!

Dieses Dasein, das einem so oft so viel zu wenig Zeit lässt für all die Dinge, die man eigentlich will – vor allem, wenn sich Ideen nicht mal eben schnell umsetzen lassen, sondern ein gerüttelt Maß an Muße brauchen. Und ja, John (oder wer auch immer), ich weiß, dass „life is what happens to you while you’re busy making other plans“, danke.

Anyway: Dieses Dasein hat Spuren hinterlassen. Darunter den vielleicht hinreißensten potentiellen Filmtitel of all (und die Älteren erinnern sich, wie diese Serie einst begann)…

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Flickwerk: Sweatjacke aus dem, was noch so da war

Workout-Sweatjacke nach Ottobre 2018/7, Gr. 38 | milchmädchen.
Workout-Sweatjacke nach Ottobre 2018/7, Gr. 38 | milchmädchen.
Workout-Sweatjacke nach Ottobre 2018/7, Gr. 38 | milchmädchen.

Auch, wenn sie oft wirklich wesentlich besser und länger hält als Stangenware: Vor Verschleiß gefeit ist auch DIY-Klamotte nicht. Meine innig geliebte (und entsprechend gern getragene) Sweatjacke beispielsweise hat inzwischen wesentlich schmalere Bündchen (die sind so krass eingelaufen 😱!), wasch-graue Paspeln, ausgerissene Ösen und den einen oder anderen Gekommen-um-zu-bleiben-Fleck. Sparkt, alles in allem, nur noch so mittelviel Joy…

Es braucht also Ersatz. Was es dafür aber bitte nicht so dringend braucht, sind weitere Reste. Nach mittlerweile vier Jahren Näherei füllen Stoffabschnitte aller Farben, Größen und Qualitäten anderthalb Bettschubladen und lassen sich da partout nicht vernünftig organisieren. Macht mich wahnsinnig!

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Sonntagsessen: Selleriesteaks mit Café-de-Paris-Sauce nach Yotam Ottolenghi & Ixta Belfrage

Selleriesteaks mit Café-de-Paris-Sauce nach Ottolenghi/Belfrage | milchmädchen.

Mit Sellerie… hatt’ ich’s ja nicht so. Seit man mich als Kind mit übel verkochten Stangen traumatisierte, habe ich jahrzehntelang einen großen (großen!) Bogen um alles gemacht, was auch nur entfernt an diesen Doldenblütler erinnerte. Stangen, Knollen – sogar Verwandte wie Fenchel und Koriander!
Mit letzteren freundete ich mich dank Asien- und Salateliebe wieder an. Sellerie aber… nee.

Bis… ja, bis da dieser Lafer kam und Knollenwürfel mit Kirschen auf einen Quicheboden schmiss. Und, etwas später, Yotam O., der Selleriestangen zu geröstetem Blumenkohl schnitt. Das waren Momente, in denen ich ahnte: Ist vielleicht gar nicht die Zutat an sich das Problem, sondern vielmehr die Verarbeitung, die über Yay oder Pfui entscheidet?

Bei Blumenkohlsalat läuft sich Yotam jedenfalls gerade erst warm. Sein ofengerösteter Sellerie dreht bereits seit einigen Jahren die Runde durch informierte Kreise – nur halt geflissentlich an mir vorbei. Hier hat es erst „Flavour“ gebraucht, seinen jüngsten Kochbuch-Coup, um mich am Rezept für derart bearbeitete Knollen vorbeiblättern zu lassen. Diese Café-de-Paris-Sauce dazu… das sah schon gut aus!

Ich fasste mir also ein Herz, besorgte Sellerie und heizte ein. Diese so called “Steaks” sind nämlich das perfekte Es-ist-Winter-es-ist-Lockdown-man-hat-ja-eh-nichts-vor-Essen: Der Ofen wärmt die Küche mit, man ist so seine zweieinhalb, drei Stündchen beschäftigt (also: nicht permanent!) und das, was da am Ende in der Butter-Sahne-Aromaten-Sauce liegt, ist… ja: sensationell! Nie, nie, nie hätte ich gedacht, dass etwas derart Großartiges in Todfeind Sellerie steckt! Dieser Salz-Knusper außen! Das cremige Innen! Und dazu DIE! SE! SAU! CE! Alter! Wenn man hinterher nicht den Ofen schrubben müsste, weil die Knolle ihren Ölsud beim Schmoren in alle Himmelsrichtungen verteilt… ich würde das täglich essen. Ehrlich! Großes, großes Kulinarikkino! Nachmachen – bitte!

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Fail again – fail better: Lebkuchenzopf

Lebkuchenzopf | milchmädchen.

“Man muss sich nur zu helfen wissen” hätte Oma jetzt gesagt und fein gelächelt. Weil es eben Momente gibt, in denen aus Stollen Kekse werden und aus Keksen…

Vielleicht ist das symptomatisch für ein Jahr, in dem manches nicht so ist wie es sein soll man es kennt. Weil man plötzlich selbst dafür sorgen muss, dass ein Osterzopf am Tisch steht und, so wie’s ausschaut, auch für den Kartoffelsalat am Heiligabend die Verantwortung trägt (Das Rezept dafür stammt übrigens auch von ihr).

Ein Jahr, in dem man die Weihnachtsbäckerei generalstabsmäßig plant – mit Excel-Chart und Stundenplan – um dann einfach das Mehl zu vergessen. 80 Gramm nur – nicht viel. Genug allerdings, um aus Elisen flache Flatschen zu machen und aus dem Mann schieres Entsetzen, denn besagtes Gebäck war zum Verteilen gedacht.

Weil der Fehler bei mir lag und meinem unkonzentrierten Schädel, war auch die Rettung mein Metier. Und naturellement hat mein Hirn da wieder vorzüglich funktioniert: Der Masse fehlt Stand? Fein, dann gibt’s halt ‘ne Bandage!

Die – bestehend aus Mehl, Eigelb, Hefe(-wasser), Zucker und Butter – stammt ursprünglich von Stefanie und umhüllt bei ihr gebrannte Mandeln, was uns vor Jahren bereits gut gefiel. In voller Menge nahm der Teig jedoch genauso entspannt zwei Bleche Unglücks-Elisen auf, die ich liebevoll von den Oblaten gepult und mit etwas Wasser und einem Ei vermengt hatte. Das einzige Vabanque-Spiel war die Backzeit, denn statt zweier kleiner Zöpfe hatte ich flugs einen großen geschlungen. Nach 35 Minuten war dieser Trumm allerdings far from gar und hat (abgedeckt mit Folie) fast nochmal so lange gebraucht.

Dann aber – oho! Flaumiges Inneres, saftig-aromatische Fülle, zart gebräuntes Außen… hätte man’s nicht besser gewusst, hätte man meinen können, das alles sei genau so gedacht gewesen.

Der Kerl jedenfalls nahm das Ergebnis deutlich zufriedener mit in den Betrieb und ich… ich schreibe die Improvisation hier einfach mal hin. Nur so. Man weiß schließlich nie – wusste Oma.

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