Pici auf Chinesisch, oder: Tǔdòu fěn, handgerollte Kartoffelstärkenudeln mit (oder ohne) Tofu und Bohnen

Tǔdòu fěn | milchmädchen.

Das eindeutig größere Rolltalent hat der Kerl: Seine Nudeln wurden gleichmäßig und lang und dünn – alles, was ich zustande brachte, waren krüppelige Stummel mit arger Durchmesserstreuung. Aber: Tǔdòu fěn (土豆粉), handgerollte Nudeln auf Basis von Kartoffelstärke, schmecken auch in mittelhübsch und gehören darum unbedingt in unsere Kollektion chinesischer bzw. asiatischer Teigwarenspezialitäten! Ihre Verarbeitung erinnert mich an Pici, die italienischen Pasta-Würmer, aber die Textur ist ungleich „chewiger“ – herrlich!

Ursprünglich stammen sie wohl aus der Provinz Guizhou, wo sie vornehmlich in Suppen oder zu Hot Pots gereicht werden. Hier gibt es eine einfach Knoblauch-Kumin-Chiliöl-Sauce dazu, die ich eher in – man korrigiere mich – Sichuan verorten würde. Tofu und Brechbohnen habe ich zu Sättigungszwecken bzw. Vitaminanreicherung dazuerfunden – Puristen lassen beides einfach weg.

Tǔdòu fěn, handgerollte Kartoffelstärkenudeln (土豆粉)

Gericht Hauptgericht, Pasta
Vorbereitungszeit 45 Minuten
Zubereitungszeit 15 Minuten
Arbeitszeit 45 Minuten
Portionen 2 Portionen

ZUTATEN

NUDELN

  • 160 g Kartoffelstärke
  • 1 EL Pflanzenöl
  • 110 g Wasser kochend

SAUCE

  • 2 Knoblauchzehen original: 3
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 1–2 EL Chiliöl s. unten
  • 2 EL Sojasauce
  • 1 EL Reisessig hier: Chinkiang
  • 1 EL Sesamöl hier: geröstet
  • ½ TL Zucker
  • 2 EL Kreuzkümmel gemahlen (hier: 1 EL)
  • 1 EL Sesamsaat
  • Prise Salz

ZUM GARNIEREN

  • 1 Handvoll Koriander

OPTIONAL

  • 300 g Tofu natur (original: ohne)
  • Salz
  • Speisestärke zum Wenden
  • 150 g Brechbohnen TK (original: ohne)

SO GEHT’S

  1. Für die Nudeln Kartoffelstärke und Speiseöl in einer Schüssel mischen und mit kochendem Wasser übergießen. Anschließend acht bis zehn Minuten zu einer zähen, aber glatten Masse kneten (hier: halb Kneter, halb händisch).
  2. Auf der Arbeitsfläche ca. 0,5 cm dick ausrollen und von der kürzeren Seite ca. 1 cm breite Streifen abschneiden. Diese behutsam zu dünnen Strängen rollen – entweder auf der Tischplatte oder zwischen den Handflächen. Auf einem mit etwas Stärke ausgestreuten Backblech bis zur Weiterverwendung lagern.
  3. In einem Topf mit sprudelndem Salzwasser kochen, bis die Nudeln durchscheinend sind und an der Oberfläche schwimmen – das geht relativ flott. Abgießen und in eine Schüssel mit kaltem Wasser geben.
  4. Inzwischen für die Sauce Knoblauch schälen und fein würfeln. Frühlingszwiebeln putzen und in dünne Ringe schneiden. Koriander waschen, trocken schütteln und hacken.
  5. Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen und die hellen, dicken Teile der Frühlingszwiebeln sowie Knoblauch darin anbraten. Übrige Saucenzutaten zugeben, Nudeln untermischen und mit Frühlingszwiebelgrün und Koriander bestreut servieren. Nach Bedarf mit etwas mehr Sojasauce oder Chiliöl abschmecken und servieren.

  6. Wer ebenfalls Tofu & Bohnen dazu essen mag: Tofu in ein sauberes Küchentuch wickeln ca. 30 Minuten auspressen, z. B. indem man einige Kochbücher darauf stapelt. Anschließend in ca. 2 x 2 cm große Würfel schneiden, leicht salzen und in Speisetärke wenden. Ausreichend Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen und Tofu darin von allen Seiten anbraten. Herausnehmen und beiseite stellen.

  7. Bohnen in einem Topf mit kochendem Salzwasser blanchieren, anschließend in kaltem Wasser abschrecken.
  8. Tofu und Bohnen zusammen mit den Nudeln unter die Sauce heben.

NOTIZEN

Nudeln & Sauce nach China Sichuan Food

Chiliöl

Gericht Grundrezept
Vorbereitungszeit 5 Minuten
Zubereitungszeit 5 Minuten
Arbeitszeit 10 Minuten
Portionen 1 kl. Glas

ZUTATEN

  • 125 ml Pflanzenöl
  • 12 g Chiliflocken (original: Sichuan oder koreanische, hier: 1 guter TL „normale“)
  • 1 ½ TL Sesamsaat hell
  • 1 Sternanis
  • 1 Lorbeerblatt
  • ½ TL Koriander gemahlen
  • ¼ TL Kreuzkümmel gemahlen
  • 1 Prise Currypulver
  • 1 TL Szechuanpfeffer gemahlen
  • 1 TL Sojasauce
  • 1 Knoblauchzehe

SO GEHT’S

  1. Für das Chiliöl Knoblauch schälen und fein würfeln. Öl mit allen Gewürzen bis auf Knoblauch, Sichuanpfeffer und Sojasauce in einen kleinen Topf geben und über mittlerer Hitze erwärmen. Einige Minuten sprudelnd „frittieren“, bis die Chiliflocken dunkler werden. Herd ausstellen und Sichuanpfeffer und Knoblauch zugeben. Nach etwa zehn Sekunden auch die Sojasauce zugeben (Vorsicht, sprudelt). Mindestens zwei Stunden, besser über Nacht ziehen lassen.

NOTIZEN

nach Lady and Pups

Tǔdòu fěn | milchmädchen.

Mehr aus China

Pici auf Chinesisch, oder: Tǔdòu fěn, handgerollte Kartoffelstärkenudeln mit (oder ohne) Tofu und Bohnen
Das eindeutig größere Rolltalent hat der Kerl: Seine Nudeln wurden gleichmäßig und lang und dünn – alles, was ich zustande brachte, waren krüppelige Stummel mit arger Durchmesserstreuung. Aber: Tǔdòu fěn (土豆粉), handgerollte Nudeln auf Basis von Kartoffelstärke, schmecken auch in mittelhübsch und gehören darum unbedingt in unsere Kollektion chinesischer bzw. asiatischer Teigwarenspezialitäten! Ihre Verarbeitung erinnert...
Vom richtigen Leben im falschen: Sojapastetchen (Yòng dàdòu xiàn bǐng | 用大豆馅饼)
25 Prozent. 25 fucking Prozent der Treibhausgasemissionen gehen auf die Produktion von Lebensmitteln zurück. Und das liegt nicht an dem Brot, das wir essen oder der Milch, der wir trinken (doch, an der auch), sondern vor allem am Fleisch. 15 kg CO2-Äquivalente verursacht die Erzeugung von einem Kilo Rind. Und, noch krasser: Ein Kilo Butter...
Weil es geht [sic!] – und schmeckt: Sauerteig-Baozi mit Hackfleisch-Schnittlauch-Füllung 包子
Der Kerl kriegt noch immer noch diesen Blick, wenn er an die Baozi denkt, die er vor Jahren in Peking aß. In einem der zahllosen unscheinbaren Imbisse muss es wirklich ganz vorzügliche Dämpfbrötchen geben haben. Mit Fleischfüllung und einer Sauce dazu – ach, dieser Sauce! Ich, die ich diese Baozi nur von einem Foto kenne,...
Ach, China! Suzhou-Mooncakes mit Fünf-Kerne-Füllung 蘇州月餅
Keine Ahnung, was ich gekauft habe. Hätte man es mir erklärt, hätte ich es nicht verstanden – und auch ein Hinweis oder Schild hätte nicht geholfen. Die beiden Frauen in dem kleinen Pasteten-Geschäft in Xi’an verstanden immerhin mich: Alles, worauf ich zeigte, angelte die Jüngere in ein Tütchen, das ich ihr für einen lächerlich geringen...
Dagegen: Fette Brühe mit Biang-Biang und Kreuzkümmel-Lamm
Auch, wenn ich mit der Gesamtkonzeption dieses „Genuss-Spezials“ nicht beliebig viel anfangen kann: die von DB mobil haben schon ganz recht. „Finden Sie Ihr Thema!“ steht auf Seite 51 unten, darüber: „Trendkost: Mono-Dinner, Popcorn, kalter Kaffee – ständig werden uns neue  Essenstrends serviert.“ Man hätte auch schreiben können: „Is‘ eh völlig wumpe, weil am Ende...
Mystery solved: Gedämpfte Reisbandnudeln mit Chiliöl und Soja-Essig-Sauce
Hiermit ergänzen wir die Liste erfolgreich gelöster Nudelmysterien* um: Shahe fen bzw. Mi Pi**, gedämpfte Reisbandnudeln. Theoretisch hätte es damit nie ein Problem geben müssen – hätte ich mich strikt auf den ersten Teil konzentriert. Wenn man nämlich ein flaches, ausreichend umrandetes Behältnis nimmt und selbiges dünn ausgegossen mit Reisnudelmasse in einen mit Wasser gefüllten,...
Packen mer’s: Riesen-Baozi mit geschmortem Schweinebauch, Salz-Ei und Frühlingszwiebel-Fleisch-Füllung
Der Rappel kommt regelmäßig. Nach längeren Reisen, wenn im Frühjahr die Welt auf „Neustart“ steht, wenn überhaupt alles ein bisschen offen und unsicher ist. Ich will dann aufräumen, ausmisten – und zumindest da, wo ich kann, für Klarheit und Ordnung sorgen. Meistens ist das nach ein, zwei chaotischen Nachmittagen und Neuzugängen in den Zu verkaufen-/zu...
Weniger. Mehr. Und Wan Tans mit Chiliöl und Würz-Sojasauce.
Die Wohnung riecht noch nach Nelken, ein bisschen Essig, dem Öl. Nach einem Essen, auf das ich mich lange gefreut habe – gewartet. Der Umzug, der neue Job, die letzte Prüfung, eine Woche krank im Bett. Irgendwas war – immer. Bloß: Keine Zeit zum (blogreifen) Kochen. Oder: Muße dazu. Damit ist es sowieso so eine...
Der Durchbruch: Wannabe-La-Mian aka Biang Biang mit Kreuzkümmel-Lamm und DEM Chiliöl
Auf dieses unendlich grandiose Chiliöl, von dem man immer – IMMER! – etwas im Kühlschrank haben sollte, schwöre nicht nur ich. Und auch dem Mythos „La Mian“, Chinas handgezogenen Nudeln, bin ich nicht allein erlegen. Allein das Ergebnis ließ bislang zu wünschen übrig, allen (vielen!) Versuchen zum Trotz. Dass sich diese, von Mandy Lee „hand...
„Später“, das ist jetzt: Geschmorte Lammburger mit-ohne-Lamm und Koriander-Mayonnaise
Die letzten Meter. Die, auf denen man fünf Stunden für fünf Zeilen braucht, weil man diese Zeilen, die Fragen, Probleme, nicht mehr auf später verschieben kann. Später, das ist jetzt. Das Ende – es ist in Sicht – fühlt sich an, als sei es weiter entfernt als je zuvor.
Vergissmeinnicht: Fünf-Gewürze-Tofu mit Nudeln und Gurkensalat
Sternanis, Sichuan-Pfeffer, Fenchel, Ingwer, Zimt: Wenn es ein Aroma gibt, das ich mit China verbinde, dann ist das Fünf-Gewürze-Pulver. Und ich weiß nicht warum. Es ist kein konkretes Gericht, an das es mich erinnert, keine konkrete Situation – es ist eher etwas Generelles; ein diffuser, energischer Eindruck der Reise. Und ich liebe diese Macht der...
Vollendet-veredelter Bohnenquark: Tofu nach Art des Nordens & süß-saure Gurken
Lacht man in Asien eigentlich über uns? Über uns und unsere (Un-)Art, regelrechte Glaubenskriege um etwas so Banales anzuzetteln wie Bohnenquark? Ich bin mir fast sicher. Dabei ist es so einfach. Es reicht ein Stück ordentlicher Tofu und ein ordentliches Rezept. Vermutlich ist aber genau das das Problem: Man muss wissen, dass es diesen Tofu...
Die Emanzipation von der Emanzipation oder: gekrendelte Zheng Jiao
In Kärnten, heißt es, darf nur heiraten, wer ordentlich krendeln kann. In China gilt laut Mandy Lee (bzw. ihrem Taxifahrer) erst als gute Ehefrau, wer seinem Gatten „dumplings“ macht. Und wenn man sich nun vor Augen führt, wo überall auf der Welt man Teigtaschen isst… richtig: riecht das schwer nach System. Worüber man sich natürlich...
Mehr davon: Niu Rou Mian oder taiwanesische Rindernudelsuppe oder: China
Es ist noch nicht lange her, seit ich feststellen musste, wie alt meine Faszination für dieses Land tatsächlich ist. Sie geht nicht erst zurück auf die Eindrücke des Kerls, der vor wenigen Jahren mit vielen Geschichten und Bildern vom Besuch einer ehemaligen Schulkameradin in Shanghai zurückgekehrt ist (im Gegenteil: die haben alles nur noch schlimmer...

16 Kommentare

  1. 😀
    Gestern das Rezept gesehen und gedacht – müsste man auch mal machen. Da warst Du wohl schneller.
    Gruß und einen schönen Sonntag, Lotte

      1. So fühlt es sich wohl an Regenwürmer zu essen 😀
        Das Rollen muss ich wohl noch üben. Für schöne dünne Nudeln reichte weder Hunger noch Geduld…
        Aber lecker war’s!

          1. Hihihi – aber vorhin kam mir die Idee, den Teig als Dumplinghülle zu benutzen…ich werde berichten 😉

        1. Ich muss in Sachen Optik beim nächsten Mal auch noch Feintuning betreiben – und verstehen, weshalb der Kerl den buchstäblichen Dreh so viel besser raus hatte… . Aber Hauptsache, es schmeckt, oder?
          Herzlich: Charlotte

  2. Als Dumplinghülle macht sich der Teig hervoragend – gut zu verarbeiten, chewy Konsistenz und schön durchsichtig. Bei mir gefüllt mit angebratenem Tempeh, Kimchi und Frühlingszwiebel, aber die Varianten sind da ja endlos.
    Viele Grüße und frohes Rollen/Falten 😉 Lotte

  3. Das wird definitiv nachgekocht, wenn ich richtig schön Lust habe, was Neues auszuprobieren und das Gefühl habe, dass ist einer dieser Tage, an denen mir alles gelingt ;-). Ich habe echt Respekt vorm Nachziehen bin aber hochgradig angefixt!

    schönes WE und sonnig-heiße Grüße!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.