Die Emanzipation von der Emanzipation oder: gekrendelte Zheng Jiao

In Kärnten, heißt es, darf nur heiraten, wer ordentlich krendeln kann. In China gilt laut Mandy Lee (bzw. ihrem Taxifahrer) erst als gute Ehefrau, wer seinem Gatten „dumplings“ macht. Und wenn man sich nun vor Augen führt, wo überall auf der Welt man Teigtaschen isst… richtig: riecht das schwer nach System.

Worüber man sich natürlich ausgiebig empören kann. Wahlweise: geschickt opponieren. An manchen Stellen – namentlich, wenn es um Teigtaschen geht – ist so eine klassische Rollenverteilung schließlich gar nicht blöd. Vor allem, wenn man als – freilich durch und durch emanzipierte – Frau eigentlich 7.926 andere Dinge zu tun hätte. Dann ist ein Besinnen auf Tradition und Hergebrachtes nämlich nichts als die Emanzipation von der Emanzipation, die unter Fachleuten auch Prokrastin…

… jedenfalls geht es mir in Sachen Teigtaschen wie ihr: ich liebe sie und möchte sie nicht gegen falsch verstandene Unabhängigkeit tauschen und krendele [sic!] darum vergnügt meine chinesischen Zheng Jiao – zumindest, so lange die emanzipierten Kerle (s. u.) knapp 9.000 Kilometer weit weg stehen.

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Zheng Jiao – 蒸饺

für ca. 28 Jiaozi
Gericht Hauptgericht, Pasta
Vorbereitungszeit 50 Minuten
Zubereitungszeit 30 Minuten
Arbeitszeit 1 Stunde 20 Minuten
Portionen 3 Portionen

ZUTATEN

TEIG

  • 350 g Weizenmehl T 550
  • 25 g Speisestärke
  • 170 ml Wasser

FÜLLUNG

  • 5 g Shiitake-Pilze getrocknet
  • 60 ml Wasser
  • 100 g Tofu
  • 150 Spinat tiefgekühlt und aufgetaut
  • 1 ½ EL Sojasauce
  • 2 EL geröstetes Sesamöl
  • ¾ TL Zucker
  • ¼ TL Salz
  • Szechuanpfeffer frisch gemahlen
  • 1 + 1 EL Pflanzenöl
  • 1 EL Ingwer gehackt
  • 1 kleine Möhre
  • 1 Frühlingszwiebel

SAUCE

  • 25 ml Sojasauce
  • 1 TL Reisessig
  • 1 Prise Zucker
  • ½ TL Ingwer gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe

SO GEHT'S

  1. Für den Teig Mehl und Stärke mischen und mit kochendem Wasser überbrühen. Mit einem Holzlöffel vermengen, anschließend mit der Hand zu einem geschmeidigen Teig verkneten. In Klarsichtfolie gewickelt ruhen lassen.
  2. Für die Füllung Shiitake-Pilze mit 60 ml kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend Pilze herausfischen und zusammen mit dem ausgedrückten Spinat und Tofu in einem Alleszerkleinerer fein häckseln. Einweichwasser der Pilze mit Sojasauce, Sesamöl, Zucker, Salz und Pfeffer verrühren, bis sich der Zucker gelöst hat. Ingwer und Möhre schälen und fein hacken. Frühlingszwiebel an den Enden kappen und Welkes entfernen. Fein hacken.

  3. Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen und gehackten Ingwer darin drei Minuten lang andünsten. Gehackte Möhre sowie das Tofu-Spinat-Pilzgemisch zugeben und unter Rühren kurz mitdünsten. Mit Pilzwasser-Gemisch ablöschen und drei bis vier Minuten einkochen, dass ein möglichst großer Teil der Flüssigkeit verdunstet. Füllung vollständig abkühlen lassen.
  4. Für die Sauce Ingwer und Knoblauch schälen und fein hacken. In einer Schüssel mit den übrigen Zutaten verquirlen.
  5. Ein Backblech mit Backpapier auslegen und leicht bemehlen. Aus dem Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche einen langen Strang rollen und in 28 Scheiben schneiden (Damit nichts austrocknet, habe ich die mit Klarsichtfolie abgedeckt.). Je eine Scheibe kreisförmig ausrollen, der Durchmesser sollte ca. 8cm betragen. Je einen Teelöffel Füllung daraufsetzen, zusammenklappen und fest verschließen. Auf das Backblech setzen und mit dem übrigen Teig/der übrigen Füllung ebenso verfahren.

  6. In einer großen Pfanne Pflanzenöl verstreichen. Die Hälfte der Teigtaschen hineinsetzen. Über mittlerer Hitze erwärmen, bis die Taschen leise zischeln. Zwei bis drei Minuten weiterbraten, bis die Teigtaschen an der Unterseite etwas Farbe bekommen haben. Anschließend mit soviel kaltem Wasser ablöschen, dass der Pfannenboden gerade bedeckt ist. Abgedeckt etwa 8 Minuten dämpfen – idealiter ist das Wasser bis dahin verschwunden und die Teigtaschen sind leicht aufgegangen und etwas durchsichtig.
  7. Zusammen mit der Sauce und evtl. einem Gurkensalat servieren.

NOTIZEN

frei nach Magentratzerl

 

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8 Kommentare

  1. … was einzig und allein daran liegen dürfte, dass man das sonst auch nicht so macht. Wenn man aber – wie ich – es auch nach der dritten Videoanleitung "richtig" nicht hinbekommt und die Dinger aussehen, als hätte Hulk sie gefaltet… nun… 😉

  2. Ganz ehrlich: das System *Katze im Sack* funktioniert auch im Kleinen 😉
    Also ich liebe ALLE Teigtäschchen, groß wie klein, egal aus welchem Land! Und ich schließe mich der Mädchenmeinung an: sehr schön zusammengefaltet!

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