Par hasard: Herbst-Hirsotto mit glasiertem Sesam-Ofenlachs

Herbst-Hirsotto mit glasiertem Sesam-Ofenlachs und Backgemüse | milchmädchen.

Seit Katharina dargelegt hat, warum es sich lohnt, sich wirklich so richtig an Rezepte zu halten, habe ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn schon bei Versuch eins die Willkür waltet. Aber manchmal lässt mir das Leben keine Wahl: Feierabends etwa, wenn der Supermarkt am Weg auf einmal keinen Quinoa mehr hat, aber im Kühlschrank ein Rest Sauerrahm wartet. Dann kaufe ich halt nicht extra Crème fraîche und fahre auch nicht nochmal quer durch den Ort, wenn ich weiß, dass Hirse im Haus ist.

Und manchmal… macht das nichts. Manchmal kommt bei aller Freihändigkeit etwas heraus, das schmeckt, als gehörte es genau so zusammen.

Dieses Ex-Quinotto mit sojaglasiertem Ofen-Sesam-Lachs und Backgemüse ist so etwas: Cremig-warme Hirse mit einer feinen Zitrusnote, dazu süß-pikanter Fisch… ich wage zu behaupten, dass das eines Weihnachtsessens würdig wäre. Sogar einem außerordentlich konsensfähigen, denn Vegetarier lassen den Lachs einfach weg oder ersetzen ihn durch Tofu.

Hier hat es das binnen dreier Tage zwei Mal gegeben. Mit Hirse. Und Sauerrahm. Und ohne jeden Gewissensbiss.

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Black and white, unite, unite! – Marble Rye Bagels

Marble Rye Bagels | milchmädchen.

Von dieser Ballade – vermutlich behandelten wir sie einst im Musikunterricht – behielt ich nur den Leitvers: Black and white, unite, unite! Eine Zeile, zu der es so wahnsinnig viel zu sagen gäbe. Mehr, als ich sagen kann, fürchte ich – weil ich in der Auseinandersetzung mit Alltagsrassismen oder meinen f***ing white privileges noch absolut am Anfang stehe.

Immerhin: Die Sensibilisierung ist da. Mir fällt immer häufiger auf, wie krass die Unterschiede sind – und wie leicht und gut unsereins es hat. Dass es keine verdammte Selbstverständlichkeit ist, im Warmen und Trockenen zu sitzen, gepampert von einem sicheren Arbeitsplatz, solidem Auskommen, mit Muße für Bagelbäckerei und dem digitalen Schwadronieren davon.

Das, was hier nun alles nicht steht, entnehmt ihr vielleicht diesen Gebäcken: In denen sich dunkler und heller Teig ganz unaufgeregt vereinen – zum knusprig-chewigen Bagelideal. Vielleicht als erste, unbeholfene Allegorie (unter diskussionswürdiger Variierung einer jüdischen Tradition)?

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Nicht schön, aber schlonzig (und auch selten): Erbsensuppe aus Berlin

Berliner Erbsensuppe | milchmädchen.

Wie Erbsensuppe, richtig-echte Erbsensuppe geht, lernte ich im zarten Alter von vier, vielleicht fünf auf Spiekeroog. Bis dato kannte ich die Fassungen meiner Mutter und Großmutter, in denen Dosenerbsen und Fleischwurst dümpelten und mit denen ich einfach nicht richtig warm werden wollte. Was aber da beim Feuerwehrfest auf der Insel im Hochsommer* (?!) aus der Gulaschkanone in dünne Einwegplastikschüsselchen klatschte… ooh! Oooh! Dieser Schlonz! Und Geschmack!
Ich habe danach lange keine Erbsensuppe mehr mit so viel Genuss gegessen wie damals.

Bis zu dieser. Die nun meine bescheidene Kollektion klassisch-deutscher Eintöpfe ergänzt (s. u.). Weil: Schlonz. Geschmack. Und warm und satt macht sie auch. Das Wetter wäre gerade danach.*

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Something old, something new…

Burda 12/2011 #118
Lace Dress von Mari Lynn Patrick | milchmädchen.
Burda 12/2011 #118 | milchmädchen.

… something borrowed, something blue: Alt sind die Schuhe. Sie gibt es seit acht, neun Jahren und haben schon auf mancher Hochzeit getanzt (sic!). Neu ist das Kleid, das einer spontanen Eingebung folgend binnen zweier Monate entstand. Geliehen von meiner Mama habe ich das dazu passende Unterkleid. Und blau (und ebenfalls neu) ist der Mantel.

Vielleicht sind diese Äußerlichkeiten unsere einzige echte Konzession an „die“ Tradition. Drumherum haben wir tunlichst dafür gesorgt, das Ganze zu unserer Sache zu machen. Quer durch die Stadt mit Öffis, angekommen der kürzestmögliche Weg zum „Ja“. Keine Ringe, kein neuer Name, kein Chichi. Dafür hervorragendes Essen in unhippem Ambiente und (Corona!) die Familien dabei.

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