Weil es geht [sic!] – und schmeckt: Sauerteig-Baozi mit Hackfleisch-Schnittlauch-Füllung 包子

Sauerteig-Baozi mit Hackfleisch-Schnittlauch-Füllung | milchmädchen.

Der Kerl kriegt noch immer noch diesen Blick, wenn er an die Baozi denkt, die er vor Jahren in Peking aß. In einem der zahllosen unscheinbaren Imbisse muss es wirklich ganz vorzügliche Dämpfbrötchen geben haben. Mit Fleischfüllung und einer Sauce dazu – ach, dieser Sauce!

Ich, die ich diese Baozi nur von einem Foto kenne, auf denen sie aussehen wie… nun: Baozi – hell, fluffig, rund – koche seither gegen ein Phantom. Es gibt nämlich keine näheren Angaben zu diesen Wunderwerken – entscheidenden Aromen etwa, erkennbaren Inhaltsstoffen – nix. Der verklärte Blick muss reichen.

Eine Sache, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht im Spiel gewesen sein wird, damals in Peking, ist Sauerteig. Nur ist es bekanntlich an mir, verzückt zu seufzen, wenn ich erfahre, dass sich Dämpfbrötchenhüllen mit eben jenem versetzen lassen. Denn Dinge, die mit Sauerteig getrieben werden können, müssen mit Sauerteig getrieben werden – Punkt.

Also: Baozi. Mit einer Füllung aus Hackfleisch, Schnittlauch und zwei, drei Gewürzen. Wir tunkten sie in einen Mix aus selbst importierter Chili-Paste gemischt mit Sojasauce und Chinkiang-Essig.
Nein – das waren nicht die Baozi mit der Sauce, aber sie waren wirklich richtig gut.

Alle, die kein Anstellgut zur Hand haben, können freilich auch auf einen stinknormalen Hefeteig zurückgreifen – zum Beispiel den, der die von uns ebenfalls hochgeschätzten Riesen-Baozi mit geschmortem Schweinebauch, Salz-Ei und Frühlingszwiebel-Fleisch-Füllung umhüllt. An die sich der Kerl übrigens auch ganz hervorragend erinnern kann, das nur am Rande.

Die übrigen Baozi nahm der Mann anderntags mit ins Büro, wo sie zufällig auch die Kollegin aus Taiwan zu Gesicht bekam. Die fand, dass sie – ich zitiere – „sehr gut“ aussähen – inklusive der Sauce. Gnihi! Was war das noch gleich in Peking…?

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When in Linz: Linzer Torte nach Jindrak

Linzertorte nach Jindrak | milchmädchen.

… eat Linzer Torte!

Eigentlich muss man das Rezept im Original lesen – mit Einheiten wie „dag“ (= Dekagramm) und Zutaten wie Staubzucker und Ribiselmarmelade. Und bevor einer fragt: Jep, die nutzt man wirklich. Erst neulich habe ich am (= auf dem) Markt bei einer herzigen älteren Dame „zehn Deka“ Walnüsse gekauft – fertig geknackt und geputzt. Johannisbeeren sucht man hier bekanntermaßen ebenso vergeblich wie ein „Päckchen Puderzucker“.

Und trotzdem: Als der Kerl und ich im Sommer in Linz bei Jindrak saßen und andächtig unsere Linzer aßen, klang alles anders. Für jemanden, der sonst den kantigen Vorarlberger Mix aus Schwyzerdütsch und Schwäbisch im Ohr hat, klingt der Linzer Einschlag fast nach Wien. Und Wien – das ist Schnösel-City, KuK-Land – mit anderen Worten: ganz. weit. weg!

Zum Glück bekommt man diese wirklich ganz hervorragende Linzer auch ganz ohne dialektales Chi-chi – Familie Jindrak war nämlich so fein, ihr Rezept samt Video zu veröffentlichen. Merci ge Linz!

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Sie sind’s: Sonnenblumenkernbrötchen nach Jochen Gaues

Sonnenblumenkernbrötchen nach Jochen Gaues | milchmädchen.

Sie sind selten, sehr selten – aber manchmal, ganz ab und zu, gibt es die Morgen, an denen kein Teig backfertig parat steht, doch. Weil es abends zu spät geworden ist oder andere, widrige Umstände die Vorbereitungen vereitelt haben. In solchen Fällen nutzen wir drei Fallback-Optionen: Erstens – Waffeln. Die – zum Beispiel mit Sauerteig – lassen sich auch morgens noch anrühren und schmecken sowohl süß als auch herzhaft. Option zwei: auswärts frühstücken. Passiert hier mangels Aufriss (Tisch reservieren, anziehen, hinfahren) allerdings praktisch nie. Option drei: Brötchen holen.

Brötchen holen – ach ja. Obwohl wir es wirklich nicht weit haben – nie hatten –, ist diese Option noch seltener als die Sache mit dem Teig. Weil uns das Zeug, das verkauft wird, entweder zu teuer ist, zu geschmacklos, zu wenig frisch oder alles zusammen. Als wir noch in Hannover lebten (Hannover, hach ❤️!), spielte immerhin nur Punkt eins eine Rolle – auf Punkt zwei und drei ließen die Bäcker um uns her nichts kommen. Einer davon hieß Jochen Gaues und offerierte Gebäck einige Häuser weiter. Dass sich ein gewisser Hannoveraner Kanzler diese Dinge seinerzeit bis nach Berlin liefern ließ, erschien uns damals plausibel. War schon fein, das – wenn auch leider nicht ganz günstig.

Umso entzückter war ich, als ich bei Karin ein Rezept für eben diese Brötchen entdeckte. Denn: Sie sind es – wirklich! Das, was man nach der (fehler-bereinigten – danke, Karin!) Vorlage des Maîtres aus dem Ofen ziehen kann, schmeckt genau wie das Original – außen knusprig, innen aromatisch und stabil  – ein Traum!

Einzige Voraussetzung: Altbrot. Auch eins dieser Dinge, die bei uns sehr, sehr selten sind – wir essen unser Brot tatsächlich einfach auf. Wenn aber widrige Umstände doch einmal für trockene Reste sorgen, gibt es diese Brötchen – garantiert!

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Ach, China! Suzhou-Mooncakes mit Fünf-Kerne-Füllung 蘇州月餅

Suzhou-Mooncakes mit Fünf-Kerne-Füllung | milchmädchen.

Keine Ahnung, was ich gekauft habe. Hätte man es mir erklärt, hätte ich es nicht verstanden – und auch ein Hinweis oder Schild hätte nicht geholfen. Die beiden Frauen in dem kleinen Pasteten-Geschäft in Xi’an verstanden immerhin mich: Alles, worauf ich zeigte, angelte die Jüngere in ein Tütchen, das ich ihr für einen lächerlich geringen Preis abkaufen konnte, und die Ältere redete so lange weiter.

Gut waren sie, diese Pasteten. Gut war sie, die Reise. Ich weiß noch immer nicht, was es ist, das mich an diesem Land so fasziniert, aber auch jetzt, nach Visite II, ist die China-Sehnsucht groß. Ich will da wieder hin! Weil ich kein Wort verstehe – und mich über jedes freue, das doch Sinn ergibt. Weil ich kein Schild und keine Anzeige lesen kann, aber mein Zeichensatz dabei ganz vorsichtig wächst: Mensch (人), Baum (), Öffnung/Mund (), Eingang (入口), Ausgang (出口) – oder eben: Mond () (By the way: dieses Video veranschaulicht die Basics ganz gut).

Das Lieblingsgestirn der Chinesen gab sich bei meinem Besuch übrigens auch die Ehre: Groß und hell und gelb stand er erst über Xi’an und später über Beijing. Das Mondfest, an dem die runden Pasteten traditionell gegessen werden, war da zwar schon einen Monat vorbei, aber das wissen die Kuchen ja nicht (zumal es diese eh all year long gibt, wie ich bei Fiona Reilly las). Ich mag vor allem die Variante aus Suzhou mit der herrlich blättrigen Hülle. Die umgibt oft Schweinefleisch, aber auch die süße „Mincemeat“-Verwandte aus Nüssen, Saaten, Orangeat, Zitronat, Rum und Rosinen ist typisch. Und so fein! Ach, China!

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Gut genug: Pumpernickel Bagels mit Sauerteig

Pumpernickel Bagels mit Sauerteig | milchmädchen.

Christina, von der die Idee zu diesen Bagels kommt, hat auf Instagram etwas Kluges geschrieben.

Das Gefühl, nicht „genug” zu sein: Nicht gut genug, schön genug, schlank genug, inspirierend genug, klug genug. Manchmal probiere ich Dinge gar nicht erst aus, weil ich mich selbst erfolgreich demotiviert habe.

Viele Frauen haben virtuell dazu genickt – und ich könnte dazugehören, würde ich Insta noch nutzen. Weil es ein Grund ist warum es hier manchmal so ruhig ist, warum ich immer wieder hadere mit diesem Blog. Auch wenn ich weiß, dass das Imperfekte oft am Allerschönsten ist und ich persönlich vieles Glattgezogene, Hochglanzpolierte allerhöchst fragwürdig finde. Das Gefühl, dass alles haargenau so ist, wie ich es mir vorstelle, hätte ich bitteschön gern trotzdem – tja.

Und dann die Sache mit dem Mehrwert:

If there’s a recipe I want to make but there are already a million recipes for it on the internet and I don’t feel like I have anything to add to the world of, say, pumpkin blondies, I get rid of it.

Schreibt Molly Yeh – eine der queens of creativity. Ich hingegen: Mache nach. Manchmal, wie hier, „with a twist“, wie es so schön heißt, weil ich die Hefe durch Sauerteig ersetzte und so Sarahs und Christinas Vorlagen kreuzte. Das ist schön – aber muss das wirklich in die Welt?

Und dann ist da noch Mari Kondo und ihr „Does it spark joy?“ Diesen Blog gibt es, weil ich anno 2012 dringend ein Gegengewicht gebraucht habe zu einem akut ungeilen Leben 1.0. Und wie toll und neu und aufregend da alles war! Jetzt, sechs Jahre später, stehe ich mitten in dieser Ebene, die schon Brecht so mühevoll fand, und suche sparkles of joy mit der Lupe.
Es gibt sie noch, schon. Bagels zum Beispiel machen mich ziemlich grundsätzlich froh – genau wie grobe Krumen, Essen aus Asien oder spontan gelungene Fotos. Und in solchen Momenten ist da auch die Lust, all das mit Euch zu teilen.

Vielleicht muss das für genau diesen Moment reichen.

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