Kletteressen, Pt. II: Sfiha

Sfiha | milchmädchen.

Wie gesagt: Das mit dem Klettern passiert im Hause Milchmädchen seit dem beglückenden Tag, an dem aus zwei Wohnungen eine wurde, wieder sehr, sehr regelmäßig. Obwohl der alte Affe Angst immer noch mitmischt, obwohl meine Performance d’runter leidet – zu zweit und draußen durch den Feierabend zu toben, ist das absolut wert.

Manchmal fällt die Entscheidung für so einen Dienstschluss am Fels spontan. Wenn der Regen doch viel eher aufhört als gedacht und die Wände trocknen. Wenn sich die Dinge überhaupt ganz anders entwickeln als geplant. Für Brot: zu spät. Für Sfiha (bzw. Piadina, Waffeln): gerade richtig.

Diese kleinen Geschwister des Lahmacun brauchen nämlich maximal zweieinhalb Stunden Vorlauf und erfüllen ihren Zweck – transportabel, einhändig essbar, schmackhaft – bestens. Neun Stück – vermutlich eigentlich genug für drei – verschwanden bei uns zu zweit binnen eines Abends. Nur so als Hausnummer.

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Frag‘ doch mal den Bauch: Calzone mit Ricotta und Spinat

Spinat-Ricotta-Calzone

Der Kerl, hat er mir hinterher gebeichtet, musste einmal sehr stark sein. In dem Moment, als ich meine Oma fragte, wie sie das mit ihren Apfelpfannkuchen macht. Oma erzählte, dass sie Mehl nimmt („So zehn bis zwölf Esslöffel“) und Eier und Milch und dass sie die Äpfel schält und alles mit Vanillezucker würzt. Und dann, als ich es nur noch ein ganz kleines bisschen genauer wissen wollte, sagte sie diesen einen, unvergleichlichen Satz, den so auch nur Omas sagen können: „Weißt du“, sagte sie, „ich mach‘ das immer so nach Gefühl“. Der Kerl hätte sich wegschmeißen können.

Was der Mann nicht ahnt: ich auch. Ob ich lieber gleich einkaufen gehe oder vorher noch putze: weiß mein Bauch. Ob es am Abend Suppe geben wird oder Salat: entscheidet er auch. Solche Dinge müssen sich da halt gut anfühlen – richtig. Und falls er sich da ausnahmsweise noch nicht ganz schlüssig ist… frag‘ ich eben später nochmal.

Bei diesem Rezept an diesem Tag war das nicht nötig: Das, sagte der Bauch, soll es geben – und nichts sonst. Kluges Kerlchen.

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Jetzt doch: Kartoffel-Gurken-Radicchio-Salat mit Feta und cremigen Joghurtdressing

Kartoffel-Gurke-Radicchio-Feta-Salat mit cremigem Joghurtdressing

Mit dem Rezepte-Entwickeln hab‘ ich’s ja nicht so. Milligrammgenau nachkochen (und nur manchmal, gaaanz selten, ein klitzekleines bisschen mehr hiervon und dafür weniger davon nehmen … ): läuft super. Intuitiv die richtige Anzahl von X mit der passenden Menge Y kombinieren …  ähm, nope.

Ich glaube ja, dass sich „die anderen“ insgeheim auch an Vorlagen entlanghangeln – obwohl es hinterher so lässig aussieht und wie ganz spontan kreiert. Vielleicht man hat – huch! – aus Versehen ja einfach nur vergessen, die Quelle hinzuschreiben, auch, wenn es zwischen Original und Abschrift de facto keinen Unterschied gibt?

Darum ganz transparent: Das hier ist sowas wie eine Co-Produktion. Wie das mit den Salaten geht, habe ich nämlich von Bettina Matthaei gelernt: Seit ich mich für Valentinas durch ihre „Salate zum Sattessen“ testen durfte, hat sich mein Verhältnis zu dieser Gerichtegattung nicht nur grundlegend gewandelt (Öde Beilage? Nix da: Alleinunterhalter!), sondern die Servier-Frequenz ordentlich gesteigert. Salate gibt es immer dann, wenn es zu warm / zu anstrengend / zu stressig für anderes ist. Also: oft.

Dieser – wie hier bereits erwähnt – besteht aus Pellkartoffeln, Radicchio, Gurke und Feta, die sich in einer cremig-pikanten Joghurtsauce suhlen, die so ähnlich bei Matthaei* nachzulesen ist. Alle Mengenangaben sind – auch so praktisch an Salaten – nicht in Stein gemeißelt, sodass man dit Janze bequem an Hunger und Vorratslage anpassen kann.
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Babykram: Quasi-Quilt in Rot und Gelb und Grün und Blau

Wenn man es genau nimmt, beginnt die Geschichte zu diesem Quilt am Mülleimer. An einem Mülleimer an einem Abend in einer Volkshochschule, irgendwann im Winter. Als eine Nähkurskollegin zum Stundenende ihre Stoffabschnitte zusammenraffte und in Richtung Abfalleimer trug, kurz davor, sie auf zerquetschte Plastikkaffeebecher und leere Bananenschalen fallen zu lassen. Ich tat einen Hechtsprung: „Was tust du?!“ Ich muss ziemlich entsetzt ausgesehen haben, jedenfalls hielt sie erschrocken inne. „Ich räume auf?“ „Ja, aber… die sind doch noch gut!“ Ich wies auf die Stoffstücke, mindestens 20 x 20 Zentimeter groß. Sie schaute ein bisschen merkwürdig, als sie fragte: „Und wozu…?“ „Patchworken“, antworte ich, „… vielleicht“ – zu diesem Zeitpunkt weit von irgendwelchen derartigen Ambitionen entfernt. Patchworken… das war das mit der Arbeit, oder?

However: Sie überließ mir ihre Reste und dieser tiefgrüne „Müll“ landete in meinem textilen Vorratsschrank – wo ich ihn vorläufig vergaß.
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Phasenverschiebung: Roggen-Joghurt-Rosen-Brötchen und Schusterjungen

Gestern zum Beispiel: Gestern musste es wegen einer außerplanmäßigen Planänderung doch ein Abendessen geben. Ich schwang mich aufs Rad, sammelte im örtlichen Hofladen alles ein, was nicht niet- und nagelfest war und schnippelte daraus einen Salat: Lauwarme Pellkartoffelscheiben, hauchdünne Gurke, einige Streifen Radicchio und 200 Gramm Feta badeten in einem Dressing aus 100 Gramm Vollmilchjoghurt, zwei Esslöffeln Rosmarinöl (Olive mit einigen Rosmarinnadeln sind sicher ein würdiger Ersatz), einem Esslöffel Weißweinessig, einem Esslöffel Senf, abgeschmeckt mit Pfeffer, Salz und Schnittlauchröllchen. Der Kerl befand es für unbedingt blogtauglich – dummerweise war da schon nicht mehr viel da.

Könnte man jetzt nochmal machen, klar. Aber das ist ja das Problem: Warum wiederholen, wenn man auch etwas völlig Neues anpacken kann? Stricken zum Beispiel: Große Liebe vorletzten Winter und Sommer und so lange ich zweiwöchentlich lange Bahn gefahren bin. Gerade? Wozu? Ich habe eine Nähmaschine (und eine Overlock) und einen Haufen Stoff!

Einer der wenigen Bereiche mit ein bisschen Beständigkeit ist unser Frühstückstisch. Der hat seine Evergreens – sowohl auf Belagseite wie auch in Sachen Grundlagen – und wehe, etwas fehlt! Das Repertoire an Brötchen und Verwandten findet sich sogar relativ vollständig in den Archiven dieses Blogs. Ausnahme: Stefanies Roggen-Joghurt-Rosen-Brötchen und Lutzens Schusterjungen. Beide sehr schmackhaft, beide unkompliziert – und das ohne lange Vorlaufzeit. Kann ja sein, dass man mal erst abends weiß, dass und was man morgens essen will…

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