Von Abisolierzangen, Getreidemühlen und kernigen Brötchen über Nacht

Kernige Frühstücksbrötchen über Nacht | milchmädchen.

Der Kerl ist ein glühender Verfechter der „Nichts-geht-über-gutes-Werkzeug“-Theorie. Als Beispiel dient ihm meist die Abisolierzange: Die braucht im Prinzip kein Mensch, weil man Kabelenden auch prima mit einem Messer traktieren kann, bis das Innere freiliegt. Das allerdings sei – ich zitiere – „elendes Gemurkse“. Also: Abisolierzange.

Groß geworden bin ich mit einer minimal anderen Philosophie. Gemäß meinem Vater gibt es nämlich nützliches und unnützes Gerät. Nützliches Küchengerät wären ein gutes, scharfes Messer, ein ordentlicher Sparschäler und eine Auswahl solider Pfannen und Töpfe. Unnütz sind in seinen Augen Zwiebelzerkleinerer (= Messer), Eierkocher (= Topf), Müsliriegelbackformen (geht’s noch?) und alles, was es bei Kaffeeröstern gibt.

Die Kriterien sind klar: Nützlich ist etwas dann, wenn es solide verarbeitet und universell einsetzbar ist – unnütz, wenn es billiger Plunder mit ausschließlich einem Nutzen ist – Konzernen die Taschen vollzuschaufen.

Ganz aus dieser Geisteshaltung heraus habe ich meinen Getreide bisher auf zwei Arten geschrotet: Unter dem ohrenbetäubendem Gekreische meines (ordentlichen!) Pürierstabs in einem hohen Messbecher – oder in der ebenbürtigen Geräuschkulisse des Mixbecheraufsatzes meiner Kenwood. Ergebnis: Unkontrolliert zerkleinerte Körner unter Gefährdung des Hörvermögens. Oder um es mit dem Kerl zu sagen: Elendes Gemurkse.

Vor etwas mehr als einem Monat ist die Abisolierzange für Getreide bei uns eingezogen: Ein Mahlaufsatz für besagte Kenwood*. Der ist zwar absolut ordentlich verarbeitet, dient allerdings nur einem Zweck: Getreide zu zerkleinern – was in Zeiten von Typenmehl reichlich überflüssig ist. Theoretisch. Praktisch hat sich unser Gebäckrepertoire seither explosionsartig erweitert. ENDLICH Schrot jedweder Güte! Schwarzbrote, Körnerbrötchen – here we come!

Diese „Grobies“ nach Micha sind der vorläufige Höhepunkt unseres Jubels. Und falls der gute Freund gleichen Nicknamens mitlesen sollte (wahlweise seine allerbeste Hälfte): Grüße!

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The Sourdough Consumption Series, Pt. 5: Frühstückskekse

Frühstückskekse mit Sauerteig | milchmädchen.

Wie ich je habe besorgt sein können, ob ich meines Sauerteigs Herr werden würde! Man muss es bloß halten wie Susanna und Sarah Owens und das Zeug immer wieder beherzt in Schüsseln klatschen – irgendwas Gutes kommt dabei schon rum. Beispiel: Kekse – again. Hier mit normaler Butter anstelle von Nussbutter. Und Sarahs ausdrücklicher Erlaubnis zu freestylen. Aber gern!

Das Ergebnis erinnert mich an einschlägige Frühstückskekse – vollwertig dank Vollkorn, nussig durch Sesam, fruchtig dank Rosinen, nur ohne die überflüssige Süße, die man in Industrieprodukten findet. Neuer Liebling!

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Muss so: Masala Dosa

Masala Dosa | milchmädchen.

„Schmeckt, als sollte es so“, meinte Monsieur – und ich sah das genauso: Die Fladen, die Füllung, die Beigaben – gut!
Eine Googelei später wussten wir, wieso: They call it a ‚Klassiker‘. Dosa, lehrt Wikipedia, sind in Südindien ein typisches Frühstück – die crêpegleichen Fladen aus fermentierten Reis-Urdbohnen-Teig werden mit scharfem Sambar und feinem Kokoschutney gereicht. Sobald außerdem Kartoffeln, Erbsen und viele Gewürze im Spiel sind, heißt das Ganze „Masala Dosa“ und gehört zu den „World’s 50 most delicious foods“, wenn es nach CNN geht (Da platziert man auf Rang 49, vor Butter-Popcorn und nach englischen Chips (btw: chips oder crisps?). Zum Vergleich: Ketchup rangiert auf Platz 39, Ahornsirup fünf Plätze weiter vorn und Donuts belegen Platz 14 – die Provenienz und Vertrauenswürdigkeit dieses Rankings dürften damit hinreichend geklärt sein…). In unserer eigenen, völlig unabhängigen Skala gehört dieses Essen fortan zu den zehn grandiosesten veganen Rezepten, wo gibt – irgendwo zwischen Zheng Jiao, Linsencurry und richtig gutem Tofu.
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Brownies mit Sauerteig und Haselnusspraliné

Brownies mit Sauerteig und Haselnusspraliné | milchmädchen.

Meine kleine Sammlung von Anstellgutaufbrauchrezepten verdanke ich auch Susanna: Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Reste, die Sauerteiglebendigerhaltung nun einmal produziert, in wahlweise Nudeln, Bagels, Kekse oder Brownies zu versenken. Genau das sollte man aber unbedingt tun: Nicht nur bewahrt es einen vor müffelnden Mülleimern (den Tipp, das gute Zeug einfach zu „entsorgen“, liest man immer wieder) oder buchstäblich zu Tode rationalisierten Sauerteigen (= „Wenn ich nur so viel nachfüttere, wie ich abgenommen habe, und eh nur eine Minimalmenge ASG kultiviere, muss ich nichts mehr wegwerfen“ – #not) – sondern obendrein schmecken diese „Abfallprodukte“ grandios. Nach dem Rezept für besagte Brownies bin ich inzwischen mehrfach gefragt worden (Hallo Kollegen!) – et voilà:

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Kreise schließen: Multigrain Sourdough Bagels

Multigrain Sourdough Bagels | milchmädchen.

Ein Ende über das andere legen, ein wenig Hin und Her – der Kreis ist geschlossen.
Sieben Wochen sind rum. Sieben Wochen ohne Facebook, ohne Instagram – ohne „soziale“ Netzwerke. Begonnen hatte ich diese Fastenzeit mit einem Brot voller Körner. Und wie es der Zufall will, endet sie ganz ähnlich: Mit Gebäck mit Körnern – kernig und kreisrund.

Und ich hatte mich gefragt, wie das wohl sein würde – was ich vermissen würde, was nicht. Das Fazit: Herrlich! Und einfach. Nächstes Jahr werde ich upgraden müssen – sieben Wochen ohne Computer oder so. Denn dieser Verzicht fiel (zu) leicht.

Was einerseits gut ist zu wissen – das ich kein bisschen abhängig bin, sondern das ich meinen latenten Zweifeln ruhig schon eher hätte nachgeben können. Und das gilt, was eigentlich immer gilt: [Kalenderspruchmodus] Weniger ist mehr [/Kalenderspruchmodus].
Andererseits stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Der Drang, sich wieder einzuloggen und nachzuschauen, was ich alles „verpasst“ haben könnte, hält sich in Grenzen ist schlichtweg nicht da. Ich könnte vorläufig also alles so lassen – abgestöpselt, persönlich, real. Auch, wenn ich das (noch?) ein bisschen weltfremd finde. Und ungewollt hip.

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