Babykram: Quasi-Quilt in Rot und Gelb und Grün und Blau

Wenn man es genau nimmt, beginnt die Geschichte zu diesem Quilt am Mülleimer. An einem Mülleimer an einem Abend in einer Volkshochschule, irgendwann im Winter. Als eine Nähkurskollegin zum Stundenende ihre Stoffabschnitte zusammenschob und Richtung Abfalleimer trug – kurz davor, sie auf zerquetschte Plastikkaffeebecher und leere Bananenschalen fallen zu lassen. Ich tat einen Hechtsprung: „Was tust du?!“, rief ich und muss dabei ziemlich entsetzt ausgesehen haben, jedenfalls hielt sie erschrocken inne. „Ich räume auf?“ – „Ja, aber… die sind doch noch gut!“ Ich wies auf die Stoffstücke, mindestens 20 x 20 Zentimeter groß. Sie schaute ein bisschen merkwürdig, als sie fragte: „Und wozu…?“ „Patchworken“, antworte ich, „… vielleicht“ – zu diesem Zeitpunkt weit von derartigen Ambitionen entfernt. Patchworken… das war das mit der Arbeit, oder?

However: Sie überließ mir ihre Reste und dieser tiefgrüne „Müll“ landete in meinem textilen Vorratsschrank – wo ich ihn vorläufig vergaß.

Nur so ein Gedanke…

Bis… ja, bis da plötzlich dieser Gedanke war. Der Gedanke, dem nahenden Neffen des Kerls nicht nur einen der üblichen Strampler bzw. Bodies angedeihen zu lassen, die inzwischen einige Nachkommen im Freundes- und Bekanntenkreis zieren, sondern auch eine Decke. Nicht ganz unschuldig an diesem Einfall ist sicherlich Kathi, deren Babyquilts ich immer wieder bewundert habe.

Eine Inspektion der Nichts-halbes-und-nicht-ganzes-mehr-Abteilung im Stoffefundus später war klar: Zukaufen musste ich vorläufig nichts. Ich nahm Cutter und Lineal und schnitt. Erst Streifen, dann Quadrate (15 x 15 cm) – aus allen Resten, die mir halbwegs geeignet erschienen – darunter ein gewisser tiefgrüner Canvas.
Dann begann das Puzzlen. Einen Abend und einen Nachmittag lang schob ich Farbkombinationen auf dem Wohnzimmerfußboden hin und her. Schnell stand fest: Der ganze Tünnkram mit Karos und Blümchen und grellen Dreiecken musste raus – die kräftigen Grundfarben harmonierten allein einfach viel besser. Ich stapelte nach Gefühl Gelb- und Rottöne und Blau- und Grüntöne übereinander und nähte Dreiecke („Half Square Triangles“, ebenfalls nach Kathi). Dann: Wieder schieben, wieder sortieren, wieder schauen. Bis ich mit dem Muster zufrieden war.

Bitte quilten Sie jetzt!

Der Rest ist Schema F: Erst die Längsreihen, dann die Fläche, dann noch eine kleine Umfriedung nähen. Nach einem geeigneten Vlies musste ich ein bisschen suchen, denn es sollte auf jeden Fall Baumwolle sein und kein Polyester. Der perfekte Stoff für die Rückseite war praktischerweise schon da: Baby Jungle Triangles von Makower, den ich nach Schockverliebung durch mondmiezekatzes Verarbeitung schon bei Rosie & Hein auf Vorrat bestellt hatte.

Und dann kam der Teil, vor dem ich mich ein bisschen fürchtete – das eigentliche Quilten. Querfeldein-Nähen… argh! Und was würde die Maschine zum doch nicht eben schlanken „Sandwich“ aus Top, Vlies und Hintergrund sagen? Zumal: Was für Nähte wollte ich überhaupt? Freihandquilten kam für Versuch Eins schonmal gar nicht infrage, aber auch Verlegenheitslösungen wie „jeweils parallel zu den Nähten“ waren nicht das, wozu der Bauch in Jubelstürme ausbrach. Eine kleine Stimme in meinem Kopf versuchte mich ohnehin von der Option „Probeteil“ zu überzeugen – was ich energisch beiseite wischte. Soweit kommt das noch – Vernunft beim Nähen, pfft!

… oder doch nicht?

Ich entschied mich für „erstmal im Nahtschatten und dann mal schauen“ und fädelte ein. Die Erst-Farbwahl Rot stellte sich als nur eingeschränkt geeignet heraus (vor allem, weil die Nahtschattentrefferquote zu Beginn…. nun: ausbaufähig war. Aber der Auftrenner und ich sind ja ohnehin gaaanz dicke… – vor allem, seit es nicht mehr jede dritte Naht ist, die…), und auch die Fadenspannung brauchte ein, zwei Versuche. Aber dann: Lief! Erst längs, dann quer – und dann gefiel mir das Kassettenmuster so gut, dass ich es dabei beließ. Ob man das darob schon Quilten nennen mag…

Sch… Schrägband!

Mit solchen Kinkerlitzchen konnte ich mich eh nicht aufhalten, denn die eigentliche Krux wartete noch: Einfassen. Ich. Hasse. Es! Ich weiß nicht, wieso – aber Schrägband und ich… das passt nicht! Außer, ich lege es unorthodox gleich doppelt über eine Kante und habe dann eben auf beiden Seiten eine sichtbare Naht. Aber zum Abschluss auf der einen Seite im Nahtschatten zu nähen und auf der anderen gerade so die Kante zu erwischen… klappt nicht! Jedenfalls nicht durchgängig. Vor allem an den Längsseiten war es einfach nur nervig, fünf, sechs Stellen wieder auftrennen und neu vernähen zu müssen. So sieht es teilweise auch aus – vor allem das hellblaue Band verläuft auf der Unterseite ein bisschen wellig. Aber was soll’s: Ich mag sie, diese Decke. Sehr. Und ich hoffe, dass das dem Nachwuchs genauso geht…

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Endmaße: 79 x 116 (Freestyle halt 😉)
Top: Reste 🙂
Rückseite: Baby Jungle Triangles von Makower via Rosie & Hein

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